Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Dirk Stascheit

Bestechungsversuche bei den Wasserwerken?
Der Skandal um die hochspekulativen Geschäfte, die die ehemaligen Geschäftsführer der Leipziger Wasserwerke, Heininger und Schirmer, getätigt haben sollen, bekommt eine weitere Episode. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt nun auch wegen einer mysteriösen Spende der mutmaßlichen Vermittler aus der Schweiz an den FC Sachsen. Dessen ehemaliger Aufsichtsratschef bestätigte mittlerweile, dass Heininger 2005 eine „stattliche Summe“ aufgetrieben habe (LVZ vom 23. Juni, http://bit.ly/b5sNfS). Im Focus (Heft 26, http://bit.ly/bdUTQ7) ist derweil zu lesen, die Vermittler hätten daneben auch über 300.000 Euro für die Olympia-Bewerbung gespendet, im Jahr 2003. Die Staatsanwaltschaft werte dies als Bestechung, vermute einen direkten Zusammenhang zu den getätigten Geschäften. Für die Stadt beläuft sich das Haftungsrisiko aus den Versicherungsgeschäften auf rund 290 Millionen Euro.

„Villa“ kauft sich ein
Die „Villa“, das soziokulturelle Zentrum in der Lessingstraße, ist nach eigenen Angaben nun sicherer aufgestellt. Die LeISA GmbH, 100-prozentige Tochter des Förderverein Kinder- & Jugendarbeit Leipzig e.V., habe den Zuschlag zum Kauf der Immobilie in der Lessingstrasse 7 erhalten. Der Schritt wurde nötig, nachdem der vorherige Eigner insolvent wurde. Man habe sich gegen die konkurrierenden Gebote von „Spekulanten“ durchsetzen können. Die Finanzierung, die über einen langfristigen Kredit erfolge, sei günstiger als die zuvor gezahlte Miete. Zur Zeit werde das Hauskonzept überarbeitet, um einen Weg zu finden, die Betriebskosten zu stemmen. Das „Villa“-Projekt, das neben vielen anderen auch die Jugendpresse Sachsen und den Stadtschülerrat Leipzig beherbergt, wurde im Frühjahr 20 Jahre alt (http://bit.ly/bDFc8H).

Mitteldeutschland reloaded
Der Vorschlag eines großen Bundeslandes Mitteldeutschland – bestehend aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – kommt wieder an die Oberfläche. Nachdem die Hallesche Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados am Wochenende mit dem Vorschlag der Vorbereitung einer Fusion an die Öffentlichkeit ging, pflichtete kurze Zeit später auch Leipzigs OB Burkhardt Jung zumindest der Vision bei. Die beiden SPD-Parteifreunde führen als Vorteile geringere Verwaltungskosten und eine stärkere Stimme im Chor der Bundesländer an. Fraglich nur, wie die meist christdemokratischen Akteure in den eher randlagernden Residenzen Dresden und Magdeburg ihre aus der eventuellen Realisierung folgende Überflüssigkeit empfänden. Leipzig und Halle lägen im Zentrum. Böse Zungen spötteln bereits, die Landeshauptstadt könne ja Schkeuditz werden.

LVZ geht Scientology auf den Leim
Einer Unterorganisation der Sekte Scientology ging die Leipziger Volkszeitung am Montag auf den Leim. Dort, am Brühl, klären „Menschenrechtler“ seit Ende Juni über die ihrer Ansicht nach gefährlichen Praktiken der Psychiater auf. Eventuell hätte die LVZ ihre Leser eher über die nicht unumstrittenen Praktiken der Aussteller und ihrer Mutterorganisation aufklären sollen – was die Bild am 29. Juni prompt tat. Stattdessen findet sich nur ein einspaltiger Veranstaltunghinweis auf einer Lokalseite (LVZ, Seite 18, Ausgabe vom 28. Juni).

Veröffentlicht unter: 18. Ausgabe, 02.07.2010, Dirk Stascheit

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