„Ich halte nicht viel von Frauenquoten“

Jana Eggers ist Geschäftsführerin der Leipziger Durchstarter „Spreadshirt“. Im Interview stellt die US-Amerikanerin klar: Frauen denken anders – und sind deswegen in Führungsebenen gefragt.

Die Fragen stellte Jonathan Fasel

Wenn Sie ihren Job betrachten: Kann man da zum Schluss kommen, dass Frauen die besseren Männer sind?

Nein. Frauen und Männer denken und fühlen unterschiedlich. Beides hat seine Vorteile. Das beste für ein Team ist eine gesunde Mischung. Das wird vor allem in Führungsebenen ganz wichtig. Unternehmen benötigen diese Mischung im Denken, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Brauchen Frauen heutzutage überhaupt noch spezielle Förderung, etwa in der Schule oder durch Quoten?

Ich halte nicht viel von Frauenquoten, allerdings denke ich, dass Förderung dort sinnvoll ist, wo sie jemand will. Und Frauen nehmen Fördermöglichkeiten nun einmal viel stärker wahr und profitieren davon mehr als Männern. Warum sollte man sie dann nicht Fördern?

Wurden Sie im Laufe ihrer Karriere jemals diskriminiert?

Ja. Aber das ist keine Last, die ich mit mir herumschleppe. Die Wahrheit ist doch: Diejenigen, die diskriminieren, verlieren. Sie verlieren jeden Tag dadurch, dass sie die schlicht und ergreifend Vorteile in den Wind schießen, die ihr Team oder ihre Firma stärker machen könnten. Ich persönlich möchte diesen Personen nicht helfen. Im Gegenzug haben sie mir zu einer besseren Position verholfen, einer, in der Menschen nicht auf ihr eigenes Denken beschränkt sind.

Welchen Ratschlag würden Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben, die Karriere machen wollen?

Einer meiner Mentoren – übrigens ein Mann – sagt mir regelmäßig: Spiel dein eigenes Spiel. Er baut mich auf und lässt mich an meine Stärken glauben, macht mir klar, dass ich es verdient habe. Sucht euch die Strategie aus, die zu euch passt. Findet die Unterstützung, die ihr braucht. Sie ist schon da, aber vielleicht schwer zu finden. Setzt euch keine Grenzen und vor allem: Lasst euch von anderen keine Grenzen setzen. Ihr werdet Rückschläge erleben, ihr werdet Fehler machen, aber daraus werdet ihr wachsen und der Erfolg wird mit der Zeit kommen. Wenn ihr niemanden habt, an den ihr euch wenden könnt, dann ruft mich an. Ich werde euch helfen, einen Weg zu finden. Ernsthaft: Es ist ziemlich einfach, aber wir als Menschen sind häufig nicht sehr gut in einfachen Dingen.

Veröffentlicht unter: 18. Ausgabe, 18. Ausgabe, 02.07.2010, Gespräche · Etiketten: , , , , ,

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