Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Wochenkarten, die zweite
Der Rat der Stadt Leipzig folgt dem Antrag der FDP-Fraktion und fordert – wie schon 2005 – den Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) auf, neue Tages-, Wochen- und Monatskarten anzubieten, die ab Entwertung für den entsprechenden Zeitraum gültig sind – nicht, wie aktuell, bis 24 Uhr, Sonntag oder den 1. des Folgemonats. Gegenüber der weitgehend wirkungslosen Forderung von vor fünf Jahren legt die Stadt diesmal, dem Antrag entsprechend, noch einen Zahn zu: Tarifänderungen im Verbund müssen Stadt und städtische Verkehrsbetriebe grundsätzlich absegnen – zukünftig wollen sie das aber nur tun, wenn der MDV tatsächlich neue Zeittickets auflegt. Das aktuelle, von FDP und Stadtrat kritisierte Zeitkartenmodell soll bei der Gründung des MDV auf Wunsch der Leipziger Verkehrsbetriebe eingeführt worden sein. Da müsste es dem Verbund eigentlich leicht fallen, es über Bord zu werfen.

Aus für Asylheime
Nach der Schließung der Asylbewerberheime in Grünau und Schönefeld wird es keine neue Einrichtung in vergleichbarer Größe geben – Asylsuchende sollen dezentral in normalen Wohnungen oder allenfalls in kleineren „Hausgemeinschaften“ untergebracht werden. Damit folgt der Stadtrat weitgehend einem Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Grüne und Die Linke. Die Entscheidung kommt nicht überraschend: Erst im vergangenen Herbst war der Neubau eines Heims gescheitert, weil die Stadt keinen Generalunternehmer für Bau und Betrieb finden konnte – vermutlich, weil sich Bau und Betrieb in Leipzig nicht lohnen. Die sächsischen Städte gelten allgemein als Befürworter der dezentralen Unterbringung, während der Freistaat auf eine Quote für zentrale Unterbringung pocht.

Leipziger Speicherstadt
Westlich des Hauptbahnhofs plant der Immobilienentwickler Aurelis, der zur Hochtief-Gruppe gehört, ein neues Wohn- und Handelsquartier. Das ehemalige Güterbahnhof-Gelände entlang der Berliner Straße besteht aus Brachen und ehemaligen Lagerschuppen und wurde bisher unter anderem von Gastronomen als „Stadtstrand“ genutzt. Die Pläne stammen von einem Kölner Architekturbüro, das auch an der Planung der Hamburger HafenCity beteiligt war – und am Nutzungskonzept des Lindenauer Hafens in Leipzig.

Plätze an der Sonne
Die Stadt will ihre Bürger dazu ermuntern, gemeinsame Sonnenkraftwerke auf Dächern städtischer Gebäude zu errichten. Deshalb will sie künftig eine Karte mit allen in Frage kommenden Gebäuden zusammenstellen – zuerst Schulen sind und Kindergärten an der Reihe, später weitere kommunale Immobilien. Die Karte soll auch über Dachneigung und Verschattung Auskunft geben – zwei Parameter, die für den erzielbaren Energieetrag wesentlich sind. Bürger können seit 2006 kommunale Dächer für Gemeinschaftsanlagen pachten – die neue Karte soll die Suche nach geeigneten Dächern erleichtern.

Veröffentlicht unter: 17. Ausgabe, 18.06.2010, Johannes Kiehl

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