Gegen die Norm: Jump‘n‘Run im Zentrum

Wir haben ein Rennen veranstaltet. Dort, wo es sonst niemand macht: mitten in der Fußgängerzone. Nicht zu Fuß, das wäre ja langweilig. Nicht mit dem Fahrrad, weil nicht erlaubt. Aber eben mit allem anderen, was so fährt, rollt oder ähm … springt. Zum Nachahmen wärmstens empfohlen.

Von Dorothea Hecht

Was du brauchst
Hüpfball, Roller, Schreibtischstuhl, Skateboard. Alternativ auch mit Einrad, Dreirad oder Spinnrad machbar. Oder allem anderen, was die Rumpelkammer, der Gartenschuppen und das Kinderzimmer so hergeben.

Wo du hinmusst
Auf die Petersstraße! Oder eine andere belebte Straße in Leipzigs Innenstadt. Besonders empfehlenswert für eine solche Aktion ist der Samstag oder verkaufsoffene Sonntag. Adventswochenenden sind weniger ratsam. Schön voll, dafür frostig. Und es besteht Rutschgefahr aufgrund von Glühweinspuren.

Wie‘s funktioniert
Strecke festlegen, zum Beispiel: Startlinie an der Pommesbude, Richtung Hugendubel um die Straßenlaternen rum für den Slalom, Rechtskurve zum Brunnen vor dem Thomas-Grün, über eine der „Brücken“ für den Extra-Kick, rechts zurück auf die Zielgerade, direkt auf den Eingang von Douglas zu. Nicht zu verachten sind dabei die lebenden Hindernisse, die sich wie Schildkröten im Super-Mario-Land viel zu langsam die Petersstraße hoch- und runterbewegen. Aber Vorsicht: Sie verschwinden nicht, indem man auf sie draufhüpft oder mit Blumendünger auf sie schießt.

Welche Schwierigkeitsstufen es gibt
Level 1: Wähle zum Einstieg ein einfaches Gefährt. Roller zum Beispiel sind wendig und klein, leicht abzubremsen und doch schlank genug, um zwischen sich zwei Passanten hindurchzufädeln. Beim Slalom um die Lampen darauf achten, kein Kind umzunieten, sonst gibt es Punktabzug. Auf der Zielgeraden Vollgas geben und nach die Ziellinie, aber vor dem ersten Parfümregal der charmanten Schnupperkettenfiliale eine Vollbremsung hinzulegen – immer der Nase nach.

Level 2: Umstieg auf ein schwierigeres Sportgerät. Wir empfehlen das Skateboard oder den Drehstuhl. Muskelkraft ist dabei vor allem in den Armen und Beinen gefragt, die braucht man zum Schieben. Wichtig dabei: den coolen Gesichtsausdruck nicht verlieren. Für ein freundliches Lächeln ist immer Zeit, während du einer Rentnerin mit Rollator Vorfahrt gewährst. Dafür gibt es im Ziel zehn Sekunden Zeitgutschrift.

Level 3: Nur für Teilnehmer geeignet, die sich gerade nicht auf eine Fußball-WM oder ähnliche sportliche Groß-ereignisse vorbereiten. Es besteht höchste Verletzungsgefahr, denn diese Stufe ist nur mit dem schwierigsten springenden Untersatz, dem Hüpfball, zu meistern. Er sieht zwar niedlich aus, macht dieses Level aber zu einer echten Herausforderung und für Langbeinige zumindest zur Vor-Hölle. Man sollte mindestens 15 Jahre älter sein, als zu dem Zeitpunkt, an dem man dieses Sportgerät gekauft hat. Vorher mindestens drei Monate lang die Knie trainieren. Dann muss nur noch Durchhaltevermögen her. Wer es tatsächlich ohne abzukürzen durch Slalom, via Brücke und Zielgerade und schließlich über die Ziellinie schafft, hat sich die Laola-Welle verdient.

Was Doro dachte
Man sieht aber auch bescheuert aus auf so einem Hüpfball. Die Haare fliegen, der Schal weht auf und ab, das Hinterteil dagegen will sich so gar nicht luftig und locker in die Höhe bewegen. Mist, ich kürze jetzt einfach ab! Auch wenn ich trotzdem nicht gewinne …

Was Rebecca dachte
Warum hab ich noch mal ja gesagt, als mich meine Mitbewohner gefragt haben, ob ich hier mitmachen will? Jetzt häng ich hier fest und muss auf dem Hüpfball durch die Fußgängerzone. Haben die sie noch alle? Das Workout hätten wir auch beim Bad putzen kriegen können.

Was Jan dachte
Wie sagte Bernd das Brot: Meine Arme sind zu kurz. Die Probleme hätte ich mal gerne, hier auf dem Skateboard. Meine Beine sind zu lang, verdammt!

Was Jonathan dachte
Das war‘s dann wohl mit meinem Schreibtischstuhl, die Rollen sind hin. Ob das Grund genug ist, eine Verlängerung für meine Diplomarbeit zu beantragen?

Was Franzi dachte
Huiiii, auf dem Roller flitzt es sich ganz schön dahin. Gut, dass ich den anderen den Hüpfball angedreht habe … hihi.

Was die Fotografen dachten
Du meine Güte, was für eine bescheuerte Bande. Aber zugegeben: coole Bilder!

Dorothea Hecht lacht, wohnt, arbeitet, isst und ist gerne in Leipzig. Manchmal verlässt sie Leipzig, kommt aber immer wieder gerne zurück. Sie hat Journalistik an der Uni Leipzig studiert und dürfte sich somit ein "Dipl-Journ." vor den Namen setzen. Mag und macht sie aber nicht.

Veröffentlicht unter: 15. Ausgabe, 21.05.2010, Dorothea Hecht

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Von Johannes Kiehl Guckloch für die Blechbüchse Auf der Seite des Goerdelerrings soll in die berühmte Aluminiumhaut ein 15 mal ...