Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Guckloch für die Blechbüchse
Auf der Seite des Goerdelerrings soll in die berühmte Aluminiumhaut ein 15 mal 15 Meter großer Guckkasten eingesetzt werden. Durch das Glas wäre ein Abschnitt der ursprünglichen Jugendstilfassade zu sehen – eben der Abschnitt, den der Bauherr ohnehin erhalten muss, weil der Denkmalschutz es so verlangt. Mit dem Glaskasten-Vorschlag reagiert das Essener Unternehmen mfi auf Proteste Leipziger Bürger, die rund 1000 Unterschriften für eine Restaurierung des Jugendstilbaus gesammelt hatten. „Es ist nur Pech, dass die Fassade am Ring die geringsten Schäden hatte – während die dem Richard-Wagner-Platz zugewandte Seite nun wohl endgültig verloren ist”, sagt der Kunsthistoriker Arnold Bartetzky, einer der Protest-Initiatoren.

Blau ist wieder Radio
Seit Freitag vergangener Woche ist Radio Blau wieder per UKW zu empfangen. Das freie Radio aus Leipzig hat zusammen mit Radio T (Chemnitz) und Coloradio (Dresden) einen Vertrag mit dem Dienstleister Media Broadcast (früher: T-Systems) abgeschlossen. Damit ist nach Meinung der Radioinitiativen der Streit mit Apollo-Radio hinfällig, der Ende April zur Abschaltung der freien Radios in Sachsen geführt hatte. „Die schnelle Lösung freut uns besonders, weil Radio Blau am 28. Mai Geburtstag hat – wir werden 15“, sagt Lutz Helm, Vorstandsmitglied des Blau-Trägervereins. Im laufenden Jahr kommen die Sendegebühren ausnahmsweise aus der Stadtkasse – ab 2011 hoffen die freien Radios auf GEZ-Mittel vom Land, wie in anderen Bundesländern. Doch die CDU im Freistaat ist gegen diese Lösung.

Schlussverkauf bei Karstadt
Der schwedische Mischkonzern Triton und zwei weitere, ungenannte Investoren pokern noch um die Kaufhauskette Karstadt – bis zum 28. Mai hat der Insolvenzverwalter noch Zeit, einen Käufer zu präsentieren. Dann muss der zahlungsunfähige Mutterkonzern Arcandor höchstwahrscheinlich liquidiert werden – Karstadt würde zerschlagen, um die Gläubiger auszahlen zu können. Die Karstadt-Käufer verlangen aber eine Entschuldung der Warenhäuser – doch erlassene Schulden müssen als Gewinn versteuert werden, sind also in der jeweiligen Kommune gewerbesteuerpflichtig. Alle Städte mit Karstadt-Warenhäusern sollten auf diese Steuer verzichten, so der Insolvenzverwalter. Der Leipziger Stadtrat hat zugestimmt.

Facebook für Häuser
Suchmaschinenprimus Google wolle „demnächst“ Kamerafahrzeuge durch Leipzig schicken, um Straßenansichten aufzunehmen. Darüber hat die Stadt Leipzig ihre Bürger am 12. Mai auf ihrer Website informiert. Die Stadt zählt erst mal die Vorteile des Dienstes auf: „Touristen oder zum Beispiel Mieter auf Wohnungssuche können sich einen Eindruck von Straßen und Plätzen verschaffen“. Jedoch bestünden auch „große datenschutzrechtliche Bedenken“: So könnten, erläutert die Stadtverwaltung, Häuser, von denen der Putz rieselt, zusammen mit individuellen Adressen zu Profilen verknüpft werden. Abschließend erklärt die Stadt, wie Hausbesitzer der Veröffentlichung „ihres“ Hausfotos widersprechen können – Google hat eingewilligt, diese Daten dann unkenntlich zu machen. Im April war bekannt geworden, dass die Kamerawagen von Google „versehentlich“ Mitschnitte von WLAN-Übertragungen aufgezeichnet hatten.

Veröffentlicht unter: 15. Ausgabe, 21.05.2010, Johannes Kiehl

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


An Talent und Hingabe fehlt es bei vielen Leipziger Bands nicht, eher an Aufstiegschancen. Im bundesweiten Business scheint zu gelten: ...