Stadtgespräch: Was wichtig war und wird

Von Johannes Kiehl

Boxenstopp für Leoliner
Die Straßenbahnzüge aus Leipziger Fertigung sind deutschlandweit bekannt – Verkehrsbetriebe aus entlegenen Städten wie Mülheim-Kärlich oder Mannheim-Käfertal organisieren Betriebsausflüge zu den Leipziger Verkehrsbetrieben, um die 32 von LVB-Tochterunternehmen geschweißten Züge zu bestaunen. Doch an denen zeigen sich jetzt technische Mängel: Bei 30 der 32 Züge wurden Haarrisse an den Achsen festgestellt – die Züge wurden zwar repariert und laufen wieder, müssen aber nun alle 14 Tage überprüft werden.

Sendepause für Radio Blau
Seit dem vergangenen Wochenende bleibt die tägliche Umschaltung auf die freien Radios aus Leipzig, Chemnitz und Dresden aus, das Radio stumm – nach dem Programm von Apollo-Radio, das sich die Frequenz mit den freien Funkern teilen muss, herrscht Stille. Grund: Zusammen schulden die freien Radios dem Klassiksender nach dessen Auffassung 16 000 Euro Leitungsgebühren – die Freien berufen sich aber auf eine noch laufende Prüfung der Gebühren. Nun werfen beide Seiten der jeweils anderen taktische Spielchen vor: Apollo vermutet, die Freien Radios würden mauern, damit der Freistaat langfristig die Sendekosten übernimmt. Die Freien glauben, Apollo wolle austesten, ob es sich so seiner Verpflichtung entledigen könne, die Frequenz überhaupt mit freien Radios zu teilen. Die freien Radios haben Beschwerde bei der Landesmedienanstalt eingelegt und streamen ihr Programm solange im Netz.

Neuer Anlauf für die Sachsen-Sumpf-Ermittler
Ein Untersuchungssausschuss soll sich nach dem Willen von SPD, Linke und Grünen noch einmal mit Leipziger Grundstücksübertragungen aus den 90er Jahren befassen. Eine Rüge des Landesrechnungshofs hatte das Thema wieder auf den Tisch gebracht. Demnach sind unter anderem für die Sanierung des Hauses Riemannstraße 52 ungerechtfertigte Subventionen geflossen. Auf die Stadt Leipzig, die das Geld bewilligt hat, könnten Regressforderungen zukommen. Kernbehauptung der unbewiesenen Vorwürfe: Korrupte Strukturen zwischen Anwälten, städtischen Unternehmen und politischen Beamten auf kommunaler und Landesebene.

Vorfahrt für Bettina Kudla
Sie würde das Sozialticket streichen und linken Kulturzentren die Unterstützung entziehen – und das gesparte Geld „zielführender“ für den Straßenbau ausgeben, ließ sich die Ex-Finanzbürgermeisterin (CDU) aus dem fernen Berlin vernehmen. Nachfolger und Parteifreund Torsten Bonew musste in der LVZ zurückrudern. Kudla war bei der Bundestagswahl 2009 in den Bundestag gewählt worden. Nun geht sie lustvoll auf Distanz zur schwarz-roten Kommunalpolitik: Anfang des Jahres hatte sie sich in den Finanzskandal um die Wasserwerke eingeschaltet – und mit dem KWL-Aufsichtsrat ein Gremium kritisiert, dem sie selbst lange angehört hatte.

Kein Geld für Holocaust-Denkmal
Ein Museum und Dokumentationszentrum zur Geschichte der Judenvernichtung sollte im „russischen Pavillon“ entstehen – der Halle mit der Nummer 12, dem markanten Turm und dem roten Stern auf dem Gelände der Alten Messe. Die Stiftung „Holocaust-Museum“ plante, das Zentrum aus privaten Spenden zu finanzieren und gewann namhafte Unterstützer. Anfang 2009 handelte sie ein Vorkaufsrecht für die Halle 12 aus. Doch bisher reichen die Spenden nicht für den Kauf. Nun sucht die städtische Vermarktungsgesellschaft Alte Messe auch nach anderen Käufern für das Objekt.

Veröffentlicht unter: 13. Ausgabe, 23.04.2010, Johannes Kiehl

Hinterlasse eine Antwort

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Lesen Sie auch:


Thomas Seifert, 29, leitete seit 2008 das Baumpatenschaftsprojekt „600 Bäume zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig“. Der Student der Theaterwissenschaft, ...