„Multimegamehrdimensional“

Thomas Seifert, 29, leitete seit 2008 das Baumpatenschaftsprojekt „600 Bäume zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig“. Der Student der Theaterwissenschaft, Philosophie und Afrikanistik engagierte sich zuvor bereits als Kulturreferent des StudentInnenRates und als studentischer Senator.

Die Fragen stellte Claudia Laßlop

Du hast dich erst in der studentischen Selbstverwaltung engagiert, nun für Baumpatenschaften – was treibt Dich an?
Vor allem, immer offen für Neues zu sein. Über den Tellerrand hinaus zu schauen. Schließlich verläuft das Leben nicht analog, sondern multimegamehrdimensional. Das Engagement sowohl in der studentischen Selbstverwaltung als auch beim Baumpatenschaftsprojekt war eine große Chance, mich während des Studiums kreativ auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln. Insbesondere beim Baumpatenschaftsprojekt wollte ich viele Menschen dazu bewegen, Verantwortung für ihren Lebensraum zu übernehmen. Das beginnt vor der eigenen Haustür und kann so einfach sein – das hat das Projekt bewiesen.

Welche Hürden hast Du bei deinem Engagement schon kennen lernen müssen?
Tausende, jeden Tag aufs Neue, aber eher organisatorische. Da half dann einfach nur eines: Tief durchatmen, ruhig bleiben und noch einmal probieren, bis es klappte. Die Resonanz auf das aktuelle Projekt war überwältigend. Es gab keine Ausbremsungen, sondern viel Support und Zuspruch. Das Projekt brachte Menschen in dem Anliegen zusammen, Gutes für die Umwelt zu tun und das erklärt für mich auch den großen Erfolg.

„600 Bäume“ hat eine breite Palette an Unterstützern – wie gestaltete sich eine Zusammenarbeit mit und von so vielen Institutionen?
Die drei wichtigsten Unterstützer waren das Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, die Stiftung Wald für Sachsen und der Staatsbetrieb Sachsenforst. Diese drei haben sowohl die Pflanzungen als auch die Pflege der Bäume im Nachhinein garantiert. Da wir alle dasselbe Ziel hatten – Leipzig und Umgebung grüner zu machen –, war die Zusammenarbeit professionell und schlichtweg ergebnisorientiert. Aber sicherlich gab es bei den vielen Unterstützern eine ganze Menge zu koordinieren. Das war mitunter nicht sehr leicht und hat mir doch das eine oder andere graue Haar gebracht. Aber das wären ja nicht meine ersten. Der StudentInnenRat war da auch schon fleißig zu Werke.

Worin siehst Du die Vorteile von so vielen Unterstützern?
Darin, dass die Ressourcen von vielen Umweltschutzorganisationen gebündelt werden konnten, um noch mehr Außenwirkung für den Umweltschutz zu erzielen. Außerdem hat ein äußerst fruchtbarer Erfahrungs- und Wissensaustausch stattgefunden.

Das Projekt fand im Rahmen des Uni-Jubiläums statt – warum wurde nicht auch der Campus in die Begrünung einbezogen?
Diese Bestrebungen gab und gibt es. Allerdings sind alle Pflanzungen auf dem Campus Sache der Universität, da es sich um universitäre Liegenschaften handelt. Und da die Universität aktuell äußerst klamm ist, sind Pflanzungen eher unwahrscheinlich, weil nicht finanzierbar. Großes Thema ist ja bereits die Situation des Innenhofes am Campus Augustusplatz. Zwar sind hier drei bis zu 20 Meter hohe Bäume vorgesehen. Aber es braucht vielmehr ein umfassendes Begrünungs- und Gestaltungskonzept, um für alle Nutzer des Campus eine Atmosphäre des Wohlfühlens zu schaffen. Momentan ist der Innenhof von einer kargen Tristesse geprägt.

Wäre nicht eine Schenkung im Rahmen des Projektes möglich gewesen?
Problematisch wäre gewesen, dass es mit der Pflanzung nicht getan ist. Ein Baum muss nach der Pflanzung bis zu fünf Jahre gepflegt werden – was nicht so leicht zu bewältigen ist und Infrastrukturen wie die der Projektpartner voraussetzt. Über diese verfügt die Universität Leipzig aber leider nicht.

Mit den Informationen zu Spenden und Spendern seid ihr extrem transparent verfahren – gab es dafür einen bestimmten Grund?
Die bestimmten Gründe waren zum einen, schlichtweg Vertrauen bei den Spendern zu erzeugen und zum anderen, jedem Spender zu gewährleisten, dass er ganz genau und zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen kann, wofür seine Spende aufgewendet wird. Für mich war diese Transparenz selbstverständlich und elementar, um eine Spendenaktion wie diese durchführen zu können.

Welche Nachwirkungen erhoffst du dir von „600 Bäume für Leipzig“?
Die Nachwirkungen werden beachtlich sein. Immerhin sind bereits 92 Bäume und mehr als 10.000 Setzlinge auf die Reise des Wachsens geschickt worden, die für die nächsten bis zu 100 Jahre plus X sichtbar sein wird.

Also weit mehr als 600 Bäume?
Ja genau, viel mehr. Die Zahl 600 fungierte ja so gesehen nur als Symbolik, in Anspielung auf das 600-jährige Universitätsjubiläum. Es hätten auch weniger oder noch viel mehr Bäume werden können. Dass es dann so viele geworden sind, ist dem Engagement der Paten und den Projektpartnern zu verdanken.

Und das endet ja nicht mit 600 Bäumen.
Ich hoffe, dass sich viele Engagierte finden werden, die sich vom Erfolg des Projektes inspirieren lassen und selbst für den Umweltschutz aktiv werden. Unterstützer zu finden, ist möglich – das haben wir gezeigt. Aber mehr Anreize, Projekte und Initiativen wie Uni Solar, I plant a tree, die Stiftung Wald für Sachsen oder teilauto, an denen man sich beteiligen kann, könnten nun wirklich nicht schaden. Im Gegenteil.

Und was sind konkret deine nächsten Projekte?
Laut dem Sprichwort sollten ja nunmehr ein Sohn gezeugt und ein Haus gebaut werden, aber kurzfristig läuft es wohl erst einmal darauf hinaus, meine Abschlussprüfungen erfolgreich zu absolvieren, um dann ab Herbst auf Weltreise zu gehen. Verdient hätte ich es mir ja.

Geboren 1981. Diplomjournalistik und Germanistik in Leipzig studiert. Heute frei schreibend und auch sonst gern am Texten.

Veröffentlicht unter: 13. Ausgabe, 23.04.2010, Claudia Laßlop, Gespräche · Etiketten: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

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